Was ist ein Trauma
Das Wort Trauma kommt aus dem Altgriechischen und bedeutet „Wunde“, „Verletzung“ oder „Schaden“.
Ein Trauma ist eine seelische Verletzung, die durch ein stark belastendes Ereignis hervorgerufen wird und zu extremem Stress, Hilflosigkeit und Entsetzen führt. Wenn wir Schreckliches "einfach nur" aushalten müssen, entsteht Ohnmacht, Hilflosigkeit und manchmal auch Wut.
Ein traumatisches Erlebnis ist ein Ereignis des Grauens begleitet von Gefühlen verheerender Angst und des Verlassen seins in einer auswegloser Situation. Dazu gehören zum Beispiel:
- Naturkatastrophen
- schwere Unfälle
- Vergewaltigungen
- Terroranschläge
- Kriegserlebnisse
- Entführungen
- Folter
- Misshandlung
- Vernachlässigung
- Missbrauch
- häusliche Gewalt
Dies kann der Fall sein, wenn eine Person selbst von dem Ereignis betroffen ist oder wenn er miterlebt, wie andere Opfer dieses Ereignisses werden.
Ein traumatisches Erlebnis zeichnet sich dadurch aus, dass sämtliche Bewältigungsmöglichkeiten, einschließlich der des Kampfes und der Flucht, vollkommen ausgeschöpft sind, sodass das Ereignis mit einer Erfahrung von absoluter Hilflosigkeit, Ohnmacht und Selbstunwirksamkeit einhergeht. Diese Erfahrung der absoluten Hilflosigkeit und Unausweichlichkeit ist der Kern der traumatischen Reaktion und Ursache für die Entstehung von Traumafolgestörungen.
Das zentrale Element jeder traumatischen Erfahrung ist somit der Moment absoluten Auslieferungseins, in dem die Erregung, Angst-, Kampf- und Fluchtimpulse in Ohnmacht und Erstarrung übergehen. (Schmid & Fegert, 2024)
Traumafolgen
Treten direkt nach dem traumatischen Erlebnis Symptome wie Betrübtheit, Desorientiertheit, starke Gefühlsschwankungen und starker körperlicher Stress auf, spricht man von einer akuten Belastungsreaktion. Sie hält nicht länger als einen Monat an und klingt von allein wieder ab.
Wirken jedoch mehrere belastende Faktoren zusammen, können die Symptome fortbestehen, obwohl das traumatische Ereignis bereits Wochen, Monate oder Jahre, zurückliegt. Hierbei spricht man dann von einer Traumafolgestörung. Traumafolgestörungen sind klinisch relevante psychische Reaktionen auf extrem belastende Lebensereignisse, bei denen normale Bewältigungsmechanismen versagen und anhaltende Symptome wie Wiedererleben, Vermeidung, Übererregung oder Selbst- und Beziehungsstörungen entstehen.
Traumafolgestörungen können sich auf vielfältigste Weise auswirken. Eine der wesentlichsten Folgen von, insbesondere bei wiederholten, traumatischen Erlebnissen durch enge Bezugspersonen ist, dass die Fähigkeit zur Selbstregulation, zwischenmenschlichem Vertrauen und Bindungsfähigkeit massiv beeinträchtigt werden können. Bleibt ein Trauma unverarbeitet, können die Belastungen ein Leben lang anhalten.
Für viele Betroffene ist das traumatische Erlebniss ein gravierender Einschnitt in ihr Leben, welches ihr Selbst- und Weltbild von einem Moment auf den anderen gravierend verändert. Es führt dazu, dass sie sich unsicher, chronisch angespannt, verängstigt (Schmid & Fegert, 2024) und zu tiefst einsam fühlen.
Traumaausmaß
Dabei ist das Ausmaß der Traumatisierung abhängig von der Art, den Umständen und der Dauer des Ereignisses sowie vom Entwicklungsstand. Zu den Umständen zählt auch, ob es vor, während oder nach der Traumatisierung schützende Faktoren gab. Aus frühen Traumata können komplexe Entwicklungsproblematiken entstehen.
Menschen, die frühes Trauma erlitten haben, leiden viel häufiger an Armut, Arbeitslosigkeit, Mittellosigkeit, unzureichender oder unsicherer Unterkunft bzw. Wohnungslosigkeit und sterben deutlich früher als Menschen ohne solche Belastungen.
Ein Trauma wirkt sich umso schlimmer aus, je früher, je länger, je sadistischer die Tat und je vertrauter der Täter/ die Täter. (Bosse, 2022)
Traumatherapie
Belastende oder überwältigende Erfahrungen können tiefe seelische Spuren hinterlassen. Manche Erlebnisse lassen sich nicht „einfach vergessen“, sondern wirken im Alltag weiter nach – etwa durch Ängste, innere Unruhe, Schlafstörungen, Flashbacks, emotionale Taubheit oder das Gefühl, ständig unter Spannung zu stehen.
Eine Traumatherapie kann helfen, traumatische Erfahrungen besser zu verarbeiten und die Wirkung der Folgen eines Traumas deutlich zu verringern und somit die Lebensqualität traumatisierter Menschen wieder deutlich zu verbessern.
Die Traumatherapie ist eine spezialisierte Form der Psychotherapie, die darauf ausgerichtet ist, traumatische Erfahrungen behutsam zu verarbeiten. Ziel ist es, die Belastung zu verringern, innere Stabilität zu stärken und das Gefühl von Sicherheit und Selbstwirksamkeit zurückzugewinnen.
