psychosoziale Diagnostik

Psychosoziale Diagnostik

Psychosoziale Diagnostik bezeichnet die systematische Erfassung und Beurteilung der psychischen, sozialen und lebensgeschichtlichen Bedingungen eines Menschen, die sein Erleben, Verhalten und Gesundheit beeinflussen. Es geht um das Zusammenspiel von Mensch und Umwelt.

Da die klassische klinische Diagnostik mit ihrer Ausrichtung auf die Klassifizierungssysteme ICD und DSM fokussiert, greift diese für eine traumapädagogische Diagnose zu kurz. Diese muss für den traumafokussierten diagnostischen Prozess neben den psychischen ebenso die sozialen und umweltbedingten Einflussfaktoren des Menschen und deren Zusammenspiel betrachten und genauer beleuchten.

Ebenen psychosozialer Diagnostik

Zentrale Inhalte psychosozialer Diagnostik bestehen aus:

  • Psychische Ebene: Emotionen, Kognitionen, Motivation, Bewältigungsstrategien
  • Soziale Ebene: Beziehungen, Familie, Arbeit, soziale Unterstützung, Belastungen
  • Biografische Ebene: Entwicklungsbedingungen, prägende Erfahrungen, Ressourcen
  • Aktuelle Lebenssituation: Stressoren, Krisen, Anforderungen
  • Ressourcen und Schutzfaktoren: Stärken, Fähigkeiten, unterstützende Kontexte

Ziel psychosozialer Diagnostik

Oberstes Ziel eines psychosozialen Diagnostikprozesses ist das Verstehen, warum Probleme entstehen und aufrechterhalten werden. Dieses Verständnis bildet die Grundlage für die Sitzungsplanung, Intervention und Evaluation, in Ergänzung zu der klassifikatorischen Diagnostik mittels ICD oder DSM.

Psychosoziale vs. klinische Diagnostik

Psychosoziale Diagnostik

  • Versteht Probleme im Lebenskontext
  • Fokus auf Zusammenhänge und Dynamiken
  • Fragt: Warum und wodurch?
  • Erfasst Ressourcen und Belastungen
  • Individuell, prozessorientiert
  • Grundlage für Sitzungsplanung
  • Nutzt Gespräche, Beobachtung, Biografie
  • Veränderbar im Therapieverlauf

Klinische Diagnostik

  • Ordnet Symptome Klassifikationssystemen zu
  • Fokus auf Diagnosekriterien
  • Fragt: Welche Störung liegt vor?
  • Erfasst Symptome und Schweregrad
  • Standardisiert, kategorial
  •  Grundlage für Indikationsstellung
  • Nutzt Interviews, Tests, Skalen
  • Diagnose meist stabil bis revidiert
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